Info Arbeit

Gerade ein Arbeitsplatz ist der beste Weg zur Integration: die Menschen treten mit Einheimischen in Kontakt, lernen besser die Sprache(n), tragen selber zu ihrem Unterhalt bei. Flüchtlinge wollen arbeiten und nicht zu Almosenempfängern degradiert werden. Und das italienische Arbeitsrecht bietet hierfür auch die Möglichkeiten:

“AB WANN KÖNNEN ASYLBEWERBER IN ITALIEN ARBEITEN?”  

Gemäß Art. 22 des Legislativdekrets vom 18. August 2015 Nr. 142 dürfen Asylbewerber in Italien 60 Tage ab Antragstellung arbeiten. Wenn das entsprechende Prüfungsverfahren noch nicht abgeschlossen ist und die Verspätung nicht vom Antragstellung verschuldet wurde, kann dieser nach Ablauf dieser 2 Monate ein abhängiges Arbeitsverhältnis eingehen.

 

“WELCHE PAPIERE/ VORAUSSETZUNGEN BRAUCHEN DIE ASYLBEWERBER BZW: MÜSSEN BEIM ARBEITGEBER ABGEGEBEN WERDEN, SODASS DIESE ARBEITEN BZW: DASS SIE DER ARBEITGEBER BESCHÄFTIGEN KANN?”

Es genügt die „ricevuta attestante la presentazione del depostio della richiesta di protezione internazionale“ gemäß Art. 4 des Legislativdekretes vom 18.08.2015, damit die rechtmäßige Aufenthaltsgenehmigung kontrolliert werden kann.

 

“GIBT ES ÖFFENTLICHE STELLEN; WO MAN EINFACH (AUCH TELEMATISCH) NACHFRAGEN UND EINE ZUVERLÄSSIGE ANTWORT BEKOMMEN KANN, OB DIE VORAUSSETUNGEN FÜR EINE BESCHÄFTIGUNG BESTEHEN?”

Die zuverlässigste Antwort bekommt man sicherlich bei der Quästur, weil diese die Anträge behandelt (für Südtirol: PEC: immig.quest.bz@pecps.poliziadistato.it)

 

“WIE KÖNNEN DIE ASYLBEWERBER BESCHÄFTIGT WERDEN? ANSTELLUNGSMÖGLICHKEITEN: VOUCHER? LOHNNEBENKOSTEN/VERSICHERUNG?”

Für die Asylbewerber besteht nach Ablauf der 60 Tage ab Antragstellung die Möglichkeit sowohl von privaten als auch öffentlichen Arbeitgebern gemäß allgemein geltender Normen beschäftigt zu werden. Sie werden gleich behandelt, wie jeder Arbeitnehmer. Das bedeutet, dass der Arbeitgeber im Falle einer Einstellung, eine entsprechende Einheitsmeldung des Arbeitsverhältnisses an das Amt für Arbeitsmarktbeobachtung tätigen muss, womit die Meldepflicht sowohl gegenüber der Landesverwaltung als auch gegenüber den Versicherungsinstituten wie NISF/INPS oder INAIL sowie der Polizeibehörde erfüllt ist. Es besteht auch die Möglichkeit die Asylbewerber mittels Voucher zu beschäftigen.

 

“DAUER ARBEITSVERTRAG: WIE LANGE DARF DER ARBEITSVERTRAG SEIN?”

Die Dauer des Arbeitsvertrages steht immer im Zusammenhang mit der Aufenthalts-genehmigung. Das bedeutet, dass ein Asybewerber, solange noch nicht über seinen Antrag entschieden ist, nach 60 Tagen ab Antragstellung, ein Arbeitsverhältnis eingehen kann.

Das Asylverfahren dauert oft mehr als 10 Monate und kann folgende Ergebnisse haben:

    • anerkannter Schutzstatus oder subsidiärer Schutzstatus: die Personen sind grundsätzlich italienischen Staatsbürgern gleichgestellt und können somit mittels der für alle Arbeitnehmer geltenden Arbeitsrechtsbestimmungen beschäftigt werden;
    • Erhalt einer Aufenthaltsgenehmigung aus humanitären Gründen: zeitbegrenztes Aufenthaltsrecht für zwei Jahre auf dem Staatsgebiet, wobei es den Personen somit erlaubt ist, für die Dauer der Aufenthaltsgenehmigung, ein abhängiges oder selbstständiges Arbeitsverhältnis einzugehen;
    • Asylbewerber, der gegen negativen Bescheid Rekurs eingelegt hat (rekurrierender Asylwerber): sie haben das gleiche Recht wie Asylantragsteller;

 

  • definitive Ablehnung des Antrages: die Personen werden aufgefordert das Staatsgebiet zu verlassen. 

 

“HAT EIN ARBEITGEBER STEUERLICHE VORTEILE, FALLS ER EINEN ASYLWERBENDEN EINSTELLT?”

Nein, er hat keine steuerlichen Vorteile, da Asylbewerber gleich behandelt werden wie jeder Arbeitnehmer.

 

 

“GIBT ES AUCH DIE MÖGLICHKEIT PRAKTIKAS/ STAGE ZU MACHEN? VERSICHERUNG?”

Bereits vor Ablauf der obgenannten 60 Tage können Asylbewerber, deren Antrag noch nicht entschieden ist oder rekurrierende Asylbewerber (anerkannte Flüchtlinge und solche mit subsidiärem Schutzstatus sind ausgeschlossen) einer freiwilligen Arbeit nachgehen und zwar im Sinne einer gemeinnützigen Tätigkeit zugunsten der lokalen Bevölkerung. D.h. gemeinnützige Tätigkeiten und freiwillige Arbeitseinsätze sind den Asylbewerbern bereits von Anfang an erlaubt. Diese Freiwilligenarbeit erfolgt unentgeltlich und immer in Zusammenarbeit mit den jeweiligen Gemeinden, welche ein Einvernehmensprotokoll unterzeichnet haben.

Die Asylbewerber können Ausbildungs- und Orientierungspraktika absolvieren, welche auf die Förderung von personen- und berufsspezifischen Kompetenzen am Arbeitsplatz abzielen. Diese werden vom Bereich deutsche und italienische Berufsbildung der Autonomen Provinz Bozen organisiert. Sie stellen kein Arbeitsverhältnis dar, umfassen maximal 500 Stunden und die Praktikanten/innen erhalten ein Entgelt von € 4  für jede effektive Anwesenheitsstunde.

Weiters können Asylbewerber ein Ausbildungs- und Orientierungspraktikum für am Arbeitsmarkt benachteiligte Personen absolvieren. Dieses Praktikum fördert die Anstellung von am Arbeitsmarkt benachteiligten Personen und findet nur dann Anwendung, wenn nach dem Praktikum die Anstellung geplant bzw. absehbar ist. Die Höchstdauer beträgt 24 Monate, der Betrieb muss dem Praktikanten ein monatliches Taschengeld von mind. € 400 zahlen und den Praktikanten unfall- und haftpflichtversichern.

Weiter Informationen zur Freiwilligenarbeit in den Gemeinden unter:

http://www.provinz.bz.it/familie-soziales-gemeinschaft/soziale-notlagen/ asylantragsteller-fluechtlinge.asp

 

 

“WER KANN SICH IN DIE ARBEITSLOSENLISTE EINSCHREIBEN?”

Asylbewerber zwischen 16 und 65 Jahre, welche keine Arbeit gefunden haben, können sich beim zuständigen Arbeitsvermittlungszentrum arbeitslos melden (immer nach Ablauf der 60 Tage ab Antragstellung). Asylbewerber müssen für die Einschreibung persönlich beim Arbeitsvermittlungszentrum vorstellig werden, da die Überprüfung der Aufenthalts-genehmigung notwendig ist. Es muss ein Domizil angegeben werden.

 

 

“WELCHE RECHTE/ VORTEILE, ABER AUCH WELCHE PFLICHTEN SIND MIT DER EINSCHREIBUNG IN DIESE LISTE VERBUNDEN?”

Mit der Einschreibung in die Arbeitslosenliste (Aufenthaltsgenehmigung muss vorgewiesen werden) werden die Personen beraten und über Stellenangebote oder andere Maßnahmen, wie bspw. Weiterbildungskurse informiert. Voraussetzung für die Eintragung ist die Aufenthaltsgenehmigung, der Arbeitslosenstatus und die Bereitschaft zu einer sofortigen Arbeitsaufnahme. Nach Eintragung besteht die Pflicht zu den in regelmäßigen Abständen stattfindenden Beratungsgesprächen zu erscheinen.

 

 

“BRAUCHEN DIE ASYLBEWERBER DIE ‘RESIDENZA’ ODER REICHT AUCH DER ‘DOMICILIO’ UM SICH IN DIE ARBEITSLOSENLISTE EINZUTRAGEN BZW: UM EINE ARBEITSGENEHMIGUNG/ BEZAHLTE TÄTIGKEIT/ PRAKTIKUM ZU ERHALTEN?”

Es ist notwendig, dass die Asylbewerber ein Domizil angeben können, wo sie kontaktiert werden können und anfallende Mitteilungen, wie z.B. Terminvereinbarungen für Beratungsgespräche oder wenn ein Arbeitsangebot vorliegt, erfolgen können.

 

 

“KÖNNEN ASYLWERBENDE ARBEITSSICHERHEITSKURSE BESUCHEN? GIBT ES KOSTENLOSE ARBEITSSICHERHEITSKUSE?”

Arbeitssicherheitskurse erfolgen nach Risikoklasse und die dafür anfallenden Kosten werden vom Arbeitgeber getragen. Für genauere Informationen wenden Sie sich bitte an das Arbeitsinspektorat (E-Mail: arbeitsinspektorat@provinz.bz.it). Kostenlose Arbeitssicherheitskurse gibt es zur Zeit nicht.

 

 

“WER IST ANSPRECHPERSON/ GIBT ES EINE ANSPRECHPERSON FÜR DIESE MENSCHEN?”

Eine einzige Ansprechperson gibt es nicht, das hängt vom jeweiligen Zuständigkeitsbereich ab.

 

 

Direkt nachgefragt bei: Autonome Provinz Bozen, Abteilung Arbeit, Arbeitsservice. 

Stand: 04. April 2016

 

Anbei zwei Artikel der “Südtiroler Wirtschaftszeitung”: Südtiroler Wirtschaftszeitung: Asyl und Arbeit und Südtiroler Wirtschaftszeitung: Chance oder Sackgasse

 

Informationsblatt: “Asylbewerber & Arbeit