Weshalb sind wir aktiv geworden?

Die Freiwilligenbewegung auf Gleis 1 (binario 1) am Bahnhof Bozen geht auf die Initiative „Winterhilfe für Flüchtlinge” am Brenner zurück. Bereits im Herbst 2014 wurden engagierte BürgerInnen auf die Situation der Flüchtlinge am Brenner erstmals aufmerksam und daraufhin aktiv. In den Monaten März – April 2015 verschoben sich die Grenzkontrollen mehr und mehr nach Süden, wodurch auch am Bahnhof Bozen Hilfe für Flüchtlinge, die dort strandeten, immer dringlicher wurde.

Sowohl am Bahnhof Brenner als auch am Bahnhof Bozen sind BürgerInnen aktiv geworden, da es hierfür eine Notwendigkeit gab, die von der öffentlichen Hand wie von den einschlägig tätigen Vereinen nicht wahrgenommen bzw. nicht angegangen wurde: täglich wurden Flüchtlinge aus den Zügen geholt oder kamen in Bozen an und wurden nach den polizeilichen Kontrollen sich selbst überlassen. Um dem Abhilfe zu schaffen, haben sich einzelne BürgerInnen spontan dazu entschlossen, schnelle, konkrete und unbürokratische Ersthilfe für diese Menschen an den Bahnhöfen zu leisten.

Über die Facebook-Gruppe „Winterhilfe für Flüchtlingen”, mittlerweile umbenannt in „Solidarität mit Flüchtlingen – solidarietà con i profughi”, entstand eine Plattform für all jene, denen dieses Thema am Herzen liegt und die einen Beitrag dazu leisten wollen. Dies geschieht auf unterschiedlichste Weise: durch Präsenz an den Bahnhöfen, durch Lebensmittel- und Kleiderspenden, durch Sensibilisierung oder durch das Verbreiten von informativen Artikeln zum Thema Menschen auf der Flucht.

Die Freiwilligen der Zivilgesellschaft (ZG) blieben weiterhin aktiv, auch nachdem die öffentliche Hand die Notwendigkeit einer Intervention humanitärer Natur erkannt und den Verein Volontarius mit der Abwicklung und Koordination an den Bahnhöfen beauftragt hat. Die Menschen, die ihre Unterstützung anbieten und sich aktiv für die Flüchtlinge in Südtirol einsetzen wollen, steigt stetig an.