Schutzhütte B1 Rifugio

SCHUTZHÜTTE B1 RIFUGIO

Die Bürger*innenbewegung Binario1 | Bahngleis1 war/ist eine Gruppe von Menschen, die im Frühjahr 2015 angesichts der Notsituation am Bahnhof Bozen nicht einfach tatenlos zusehen konnte, sondern spontan schnelle, unbürokratische Hilfe für Menschen auf der Flucht in einer Notlage organisiert hat. Diese „Freiwilligen der Zivilgesellschaft“ waren Bürger*innen aus ganz Südtirol, welche nicht über einen Verein organisiert waren, sondern freiwillig, aus Eigeninitiative und mit Eigenverantwortung handelten und sich auf unterschiedliche Art und Weise einbrachten. Diese spontane Gruppe hat sich auch außerhalb des Bahnhofes für Menschen auf der Flucht aktiviert und setzt sich für eine inklusive, offene Gesellschaft ein und versuchen mit Projekten und Handlungen die in Südtirol untergebrachten Asylbewerber*innen in ihrem neuen Alltag zu unterstützen und macht sich gleichzeitig für das Gewährleisten der Rechte der Aslywerber*innen stark. Zäunen, Grenzen und Quoten stellte sich Binario1 | Bahngleis1 mit Solidarität und Menschlichkeit in den Weg.

 

SCHUTZHÜTTE B1 RIFUGIO

Wie zuvor erwähnt hat dann im November 2017 eine neunköpfige Frauengruppe den Verein Schutzhütte B1 Rifugio gegründet: Durch die bisherige Vorgangsweise im Aufnahmeverfahren haben nicht alle Asylwerber*innen Zugang zu den Aufnahmestrukturen erhalten, wie von den nationalen und europäischen Rechtsvorschriften vorgesehen wäre. Durch Anwendung der jüngsten Landesbestimmungen blieben auch besonders Schutzbedürftige auf der Straße. Durch das Engagement von Freiwilligen fanden sie zum Teil vorübergehend (privat) Zuflucht.

Die Idee der Schutzhütte B1 Rifugio entsteht nicht über Nacht, sondern sie ist das Ergebnis persönlicher Erfahungen und Beobachtungen, sie ist im Austausch im Netzwerk mit anderen Freiwilligunen und Organisationen entstanden. In den Jahren, in denen wir uns für geflüchtete Menschen auf der Straße bzw. am Bahnhof eingestzt haben, haben wir stets versucht den Bedarf der Stadt Bozen und darüber hinaus gekoppelt mit den Besonderheiten, welche Südtirol als mehrsprachige Grenzregion mit sich bringt, zu sehen.
2014 und 2015 zeigte sich, dass viele Geflüchtete die Provinz Bozen nicht über die staatlich zugeteilte Flüchtlingsquote erreichen, sondern selbstständig und autonom. Entgegen den Vorstellungen werden leider Asylwerbende bzw. anerkannte Flüchtlinge, die Südtirol eigenständig erreichen (Balkan Route, Nordeuropa) nicht aufgenommen bzw. haben kein Anrecht auf finanzielle Unterstützung,d.h. sie landen auf der Straße, unter der Brücke und werden so noch mehr an den Rand der Gesellschaft gedrängt.
Viele Personen, die direkt in Südtirol den Antrag auf Asyl stellen, finden bloß Platz auf einer Warteliste einer Aufnahmestruktur. Diese Personen hätten jedoch Anrecht auf einen Platz in einem Aufnahmezentrum. Dieses Anrecht ist gesetzlich festgelegt und fußt auf der europäischen Richtlinie (2013/33/UE) und wurde in das gesetzesdekret 142/2015 umgewandelt.
Schutzhütte B1 Rifugio richtet sich vor allem an besonders schutzbedürftige Personen auf der Flucht. Gemäß Legislativdekret 142/2015 gehören dazu u.a. Erwachsene mit Beeinträchtigung, ältere Menschen, unbegleitete Minderjährige, schwangere Frauen, Alleinerziehende mit minderjährigen Kindern, Opfer von Menschenhandel, Menschen mit schweren Krankheiten oder psychische Störungen; Personen, die nachweislich Folter, Vergewaltigung oder andere Formen psychologischer, physischer oder sexueller Gewalt erlitten haben und Opfer von Genitalverstümmelungen sind. Weitere Personengruppen denen wir uns zuwenden möchten, die im Legislativdekret Nr. 142/2015 nicht erwähnt werden, aber angesichts ihrer prekären sozialen Situation durch die Obdachlosigkeit verstärkt Risiken ausgesetzt und verwundbar sind, sind: alleinstehende Frauen und Familien mit kleineren Kindern.
Es gibt Menschen, die zu den oben genannten Kategorien gehören, aber kein Dach über dem Kopf haben und ohne das Lebensnotwendige auskommen müssen, obwohl das Gesetz für sie einen besonderen Schutz und ein vorrangiges Einschreiten vorsieht. Die Schutzhütte B1 Rifugio möchte auf diese Situationen hinweisen und eine kurzfristige Unterstützungsmaßnahme anbieten.
Das Projekt sieht außerdem Unterstützung für eine begrenzte Anzahl von Personen vor, die nach positivem Asylverfahren gezwungen sind, die Aufnahmeeinrichtung zu verlassen. Diese Personen werden zeitlich begrenzt aufgenommen und bei der Arbeits- und Unterkunftssuche unterstützt.
Das Haus wurde am 8. Januar 2018 eröffnet und wie geplant am 15. März 2019 geschlossen.
Innerhalb der 14 Monate unserer Tätigkeit, haben wir 128 Personen für insgesamt 3587 Nächte beherbergt.
Die Zahlen sprechen für sich: In unserer Stadt hätte ein Asylbewerber für 3587 Nächte auf der Straße schlafen müssen.
Nichtsdestotrotz sind wir auch weiterhin aktiv: wir begleiten und unterstützen Geflüchtete. Wir halten es auch für wichtig, den Asylbewerbern die Instrumente an die Hand zu geben, die sie brauchen, um ihr neues Leben in unserem Land angehen zu können.
Das Projekt finanziert sich aus Spenden und sonstigen Zuwendungen. Jede Spende wird verantwortungsvoll eingsetzt:
IBAN IT 55 O 08081 11601 000301015923 – BIC: RZSBIT21103Mit Unterstützung von:

 

    

 

Mit dem 01.01.2018 ist eine gesetzliche Neuerung in Kraft getreten, wonach erhaltene öffentliche Beiträge, Subventionen, zu veröffentlichen sind.

Liste Beiträge öffentliche Hand

 

Leider können momentan Spenden noch nicht von der Steuererklärung abgeschrieben werden.

Info: schutzb1rifugio@gmail.combinario1.bz@gmail.com